Streifzug durch die Sehenswürdigkeiten von Bad Saarow und Pieskow

07 Feb. 2012

Der Bahnhof von Bad Saarow als Dreiflügelanlage wurde 1910/1911 von den  Architekten Börnstein & Kopp im repräsentativen Heimatstil errichtet und am 31. 1. 1912 eingeweiht.  Auf dem Bahnhofsvorplatz waren sieben Läden für die Grundversorgung der Einwohner vorgesehen. U. a.  Bäckerei, Konditorei, Fleischerei, Gaststätte mit Saal. Der Bahnhof ist mit der wechselvollen Geschichte der ehemaligen „Scharmützelseebahn“ von Fürstenwalde nach Beeskow und der Streckenstilllegung zwischen Bad Saarow-Pieskow und Beeskow 1997/98 verbunden. 1999 konnten die Bäderbahn von Fürstenwalde nach Bad Saarow eröffnet und 2011 die Strecke bis zum Klinikum verlängert werden.

1997 hatte die Gemeinde Bad Saarow das Bahnhofsgebäude gekauft. Eine erfolgreiche Spendenaktion des Fördervereins „Kurort Bad Saarow e.V." sowie erhebliche Zuschüsse vom Land und Kreis ermöglichten der Gemeinde ab 2004 die denkmalgerechte Sanierung des Empfangsgebäudes sowie der Kolonnaden mit den beiden Kopfbauten.

Die traditionelle Funktion des „Bahnhofs“ wurde durch eine öffentliche kulturelle Nutzung ergänzt. Im historischen Hauptgebäude befinden sich jetzt die Gästeinformation, das Trauzimmer, Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Archivräume.

Auf dem Bahnhofsplatz steht ein Brunnen aus Bronze, der von dem Bildhauer Hans Eickworth aus Frankfurt/Oder entworfen und 1977 unter Mitwirkung des Verbands Bildender Künstler in Berlin realisiert wurde. Er trägt den Titel „Lebensfreude“. Für eine der männlichen Figuren stand der Wirt der Kneipe „Klostergarten“ nahe der Straße zum Saarower Friedhof  Modell.

Maxim Gorki hielt sich 1923 zu einer Kur in Bad Saarow auf und wohnte seinerzeit in einem Haus in am heutigen Karl-Marx-Damm. Er schrieb hier an seinen Werken „Die erste Liebe“, „Menschen mit sich allein“ und „Erinnerungen“. Eine vor dem Haus aufgestellte Büste weist auf den Standort des Gebäudes hin, das nicht mehr existiert.  Zu Ehren des russischen Dichters richtete man in einem Blockhaus in russischen Stil 1972 das Maxim-Gorki-Museum ein. Dieses Haus wurde 1920 vom Bankier Landsberg als „Villa Putti“ (Neckname der Tochter) bei Vorfertigung in Skandinavien erbaut.Die jüdische Familie Landsberg musste 1938 aus Deutschland flüchten und ging nach Übersee.

Maxim Gorki wohnte 1922/23 im Neuen Sanatorium Saarow, Karl-Marx-Damm 15, zusammen mit seinem Sohn Maxim und dessen Frau, mit seiner Sekretärin und einigen Freunden. Das Sanatorium diente bis 1989  als Mütter- und Säuglingsheim und wurde danach abgerissen. An der Stelle des Hauses befindet sich heute eine Gedenksäule für den Dichter. Gorki erhielt Behandlungen im Sanatorium Eibenhof. Er schrieb hier die Er zählungen „Die erste Liebe“ und „Menschen mit sich allein“, zudem vollendete er seine berühmten Dichterporträts, darunter die über seinen Freund Anton Tschechow und Leo Tolstoi.

Der 2,3 Hektar große Kurpark, der Mittelpunkt der Landhaussiedlung von Bad Saarow, wurde von dem seinerzeit hochgeschätzten Gartenarchitekten Ludwig Lesser gestaltet, der auch das Konzept der Landhaussiedlung und die Anlage des Bahnhofplatzes entwickelt hatte. Er war einer der ersten freischaffenden planenden und beratenden Gartenarchitekten Deutschlands. Hier am Scharmützelsee arbeitete er mit Freude, und dazu schrieb er 1926, Bad Saarow sei ihm besonders ans Herz gewachsen. Nach dem 2. Weltkrieg gehörte der Kurpark zum sowjetisch besetzten Teil von Bad Saarow und war bis zum Abzug der Sowjets aus Deutschland 1994 der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Gemeinde Bad Saarow bemühte sich danach, der ursprünglichen Gestaltung des Parks durch Lesser wieder möglichst nahe zu kommen und machte ihn zusammen mit der 1998 neu errichteten Therme zum Mittelpunkt des modernen Moor- und Sole-Heilbades.

Das Gebäude des ehemaligen Moorbads wurde 1914 nach Plänen des Architekten Emil Kopp errichtet. Der Bau ist eine Dreiflügelanlage. Die Rotunde diente früher als Empfangshalle. Im Westflügel waren die Wannenbäder untergebracht. Im Ostflügel befanden sich Appartements. Die Säulengänge wurden als Liegeterrassen genutzt. Nach dem 1. Weltkrieg wandelte man die Appartements in Behandlungsräume für Elektro- und Hydrotherapie um. 1926 pachtete  Dr. Paul Grabley das Moorbad. Als  Bäderarzt von Bad Saarow verhalf der dem Ort zu einem bemerkenswerten  Aufschwung.  Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus als Lazarett genutzt. Später gehörte das Moorbad zum Sanatorium der sowjetischen Luftstreitkräfte. Nach dem Abzug der Russen baute man 1996 das Bad denkmalgerecht saniert zum Haus des Gastes um. Heute ist es "Saarow Centrum" und hier befinden sich die Bibliothek, wo regelmäßig Vorträgen und Lesungen stattfinden, ein Restaurant, Sitzungs- und Büroräume. In der Rotunde sind wechselnde Ausstellungen zu sehen.

Ein Highlight in der Bäderlandschaft ist die neue Saarow-Therme, ein Bau von 1998. Eine Thermalsole von 3 % wird aus einer Tiefe von 450 Metern gefördert. Es gibt sowohl ein Innen- wie zwei Außenbecken mit einer Wasser-Gesamtfläche von 850 m² mit bis zu 36 ° warmem Wasser, mit Unterwassergeysiren, Massagepilz mit Strömungskanal, Whirlpools etc. und jede Menge Wellness.

Der Wasserturm  ist ein Bau von 1908/09. Sein Reservoir besaß ursprünglich ein Fassungsvermögen von 1.000 Kubikmeter Wasser. Dieses wurde aber nach dem 2. Weltkrieg wegen Baufälligkeit des Turms herunter genommen. Der ist aber immer noch ein markanter Punkt im Kurparkbereich.

Einst gehörte das Dorf Saarow zur Kirchengemeinde in Reichenwalde. Auf Initiative von Dr. Georg Michaelis, Reichskanzler a. D. und Oberpräsident von Pommern a.D., wurde 1920 ein Kirchenbauverein gegründet, der den Bau einer evangelischen Kirche betrieb. Die wurde ausschließlich aus Spenden finanziert und anlässlich des Reformationsfestes Ende Oktober 1922 eingeweiht. Die Bauleitung hatte der Architekt Ernst Kopp jr. inne, die Ausführung oblag dem Maurer und Zimmermeister Erich Wagner; die Malerarbeiten führte Malermeister Döller aus. Die offizielle Gründung der Bad Saarower Kirchengemeinde erfolgte 1929 und umschloss auch Petersdorf und Pieskow.  Die Orgel stiftete nach dem 2. Weltkrieg der Orgelbauer Schuke aus Potsdam und löste damit angeblich sein vorher gegebenes Versprechen ein, im Fall, dass er den Krieg überlebt, den Saarowern eine Orgel zu schenken. In dieser Kirche wurden am 22. 7. 1933 Max Schmeling und Anny Ondra getraut.

Ausstattung der Saarower Kirche:

  1.           Engel als Nachbildung aus dem Lübecker Dom, Geschenk das Saarower Bürgers Dr. Tetens,
  2.           Bronzekreuz im Altarraum, eine Schenkung, geschaffen 2008 von dem Künstler Paul Gnewkow

Die See-Badeanstalt in der Seestraße 36 wurde 1912 als "Kaiserbad" eröffnet. Auch hier stammten die Entwürfe vom Architekten Emil Kopp. Die Bauausführung übernahm der Reichenwalder Maurer und Zimmermann Gustav Schulze. Um 2000 wurde die Anlage behutsam saniert und dann als Gaststätte mit attraktivem Blick auf den Scharmützelsee eröffnet. In der Saison dienen Liegewiese und Strand als Badestelle. Zum Ensemble gehörte einst der benachbarte Friseursalon, heuteebenfalls eine Gaststätte.



Johannes R. Becher, der Kulturminister der DDR, Lyriker und Schöpfer der Nationalhymne des sozialistischen Staates, erwarb in Saarow-Strand, Friedrich Engels Damm 107, das ehem. Wochenendhaus des Geschäftsführers der Berliner Philharmonie, Löwner, und verbrachte hier von 1948 - 1958 die Sommermonate. Nach seinem Tod ehrte man ihn durch die Aufstellung eines Denkmals, das in einem kleinen Park an der Seestraße steht und von dem Bildhauer F. Cremer gestaltet wurde.

Im Wäldchen am Ende der Lindenstraße, eingebunden in den Arbora-Kletterpark, befindet sich ein Mausoleum als Familien-Grabstätte, das Freiherr von Bonserie (gest. 1885), seit 1862 als Nachfolger der Familie Löschebrand Besitzer des Gutes Saarow-Dorf, noch zu seinen Lebzeiten für sich errichten ließ. 1915 wurde dort auch seine Tochter, die Generalin von Lettow-Vorbeck, beigesetzt. Nach den Grabplünderungen 1945 bettete man die Toten auf dem Waldfriedhof zur letzten Ruhe.

Max Schmeling lebte von 1930 – 1938 in Bad Saarow. Die Villa jenseits der Wierichwiesen Am Dudel, in der Max Schmeling bis 1938 lebte, war 1923 von dem Architekten Harry Rosenthal für den expressionistischen jüdischen Dichter Bruno Krauskopf gebaut worden. Es brannte nach der Wende ab. Nur ein kläglicher Abglanz von früher ist erhalten. Daneben, Am Dudel 1, steht dagegen noch das vom selben Architekten konzipierte und 1929 gebaute Haus des Bildhauers Ludwig Thorak (1889 – 1952), dessen muskulöse Männer- und Frauenstatuen insbesondere von Adolf Hitler sehr geschätzt wurden. Nach dem Krieg war das Haus Betriebsferienheim des Braunkohlenkombinats Bitterfeld.

In einer kleinen Grünanlage neben dem Haus am Stein, 100 m vom Ufer des Scharmützelsees entfernt, stellte man einen Findling aus der Umgebung von Bad Saarow auf. Er ist 2 m hoch und hat einen Umfang von 12 Metern. Ebenfalls am Platz befindet sich ein Gedenkstein mit Gedenktafel für Hermann Paschke, den Direktor der Gründungsgesellschaft von Bad Saarow.

Das große Krankenhaus von Bad Saarow hat eine schaurige Vergangenheit. Prof. Karl Brandt, SS-Gruppenführer, Generalleutnant der Waffen-SS, zeitweilig Leibarzt von Adolf Hitler, Leiter des Medizinischen Vorrats- und Versorgungswesens Deutschlands, ließ 1943/44 in Bad Saarow eine Krankenhaussonderanlage errichten. Prof. Brandt wurde wegen seiner Teilnahme an dem Euthanasieprogramm der Nazis 1947 zum Tode verurteilt und 1948 gehenkt. Auf dem Gelände und den vorhandenen Fundamenten entstand nach 1952 das Zentralkrankenhaus der Kasernierten Volkspolizei, ab 1956 bezeichnet als Zentrales Armeelazarett (ZAL). Aufgrund der hier betriebenen intensiven Forschung  erhielt diese Einrichtung 1982 den Status einer Militär-Medizinischen Akademie (MMA). Ein Teil der medizinischen Kapazitäten stand der Zivilbevölkerung zur Verfügung. Heute wird das Krankenhaus in dem modernisierten Gebäudekomplex von den Helios-Kliniken betrieben.

Das Gutshaus in Bad Saarow Dorf ist eingeschossig mit Krüppelwalmdach und wurde 1723 erbaut, wie im Portal dokumentiert. Es zählt zu den älteren erhaltenen Herrenhäusern der Mark Brandenburg. Das Innere wurde um 1900 umgebaut. Zum Gutskomplex gehört ein Stall vom Anfang 19. Jh. in denkmalgeschützter Feldsteinbauweise. Besitzer des Gutshauses waren ursprünglich die Herren von Löschebrand, ab 1862 Freiherr von Bonserie, ab 1905 die Landesbank, später ein Herr von Reitzenstein, der hier ein Gestüt betrieb. 1919 kaufte das Haus Dr. Paul Grabley und wandelte es um in das Sanatorium Eibenhof. Der Enkel wohnt heute noch in Alte Eichen neben dem Gutshausgelände.

Zum Ende des 2. Weltkriegs war der Stab der 9. Armee unter General Busse im Eibenhof untergebracht. Danach war es Krankenhaus unter Leitung von Dr. Grabley. Ab 1948 benutzte der „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ das Haus, vornehmlich als Feriendomizil für Literaten, aber auch als deren Refugium für schöpferische Arbeiten. Stefan Heym nutzte z. B. diese Möglichkeit. Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wurde der Gutshauskomplex privatisiert und der neue Eigentümer, die Familie Alexa und Johannes von Salmuth, führte umfassende Restaurierungsmaßnahmen durch. Heute ist das Gutshaus wieder ein erlesenes Schmuckstück am Scharmützelsee.

In Saarow-Dorf steht außerdem das Doppelstubenhaus,  errichtet ca. 1725. Es ist das älteste Bauwerk der Gemeinde und wurde 1927 vom Berliner Yachtclub erworben.

Auf Flächen des ehemaligen Gutes Silberberg, die 1911 und 1927 von Terraingesellschaften gekauft worden waren, entstand nach Parzellierung 1927 die Kolonie Bad Saarow Strand. Hier bauten sich finanzkräftige Käufer ihre Häuser entlang des Sees. Am 22. 6. 1930 wurde der dazugehörige Golfplatz auf dem ehemaligen Ziegeleigelände eingeweiht. Außerdem wurde in jener Zeit ein Strandbad angelegt.

Den südlichen Abschnitt von Saarow Strand nimmt ein großer Hotelkomplex mit Golf-Resort ein. Das hohen Ansprüchen gerecht werdende Hotel verfügt über 224 Zimmer und Suiten sowie über einen umfangreichen Wellness-Bereich. Zum Hotelkomplex gehören noch ein Tenniszentrum, ein Yachthafen mit Segelschule und eine der besten Golfanlagen Deutschlands. Es gibt drei herausragende 18 Loch Golfplätze: den  legendären Nick Faldo Meisterschaftsplatz,  den wunderschönen Arnold Palmer Platz, den spielfreudigen Stan Eby Platz. Außerdem stteht der öffentliche Jake McEwan 9-Loch-Par-3-Kurzplatz zur Verfügung. 

Die Kirche in Pieskow ist ursprünglich eine alte Fachwerkkirche, erstmals erwähnt 1346, die 1867 quasi neu in Backstein aufgeführt wurde. 1902 erneuerte man den Innenraum, in dem man heute noch auf einen handgeschnitzten Altar trifft, der am 1. 9. 1661 eingeweiht worden war. Auf dem Kirchhof sind Käthe Dorsch, ihr früherer Mann Harry Liedtke und dessen letzte Frau Christa Tordy begraben.

Im Gutshaus von Pieskow saß ein Zweig der Familie Löschebrand, der aber 1817 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten den Besitz aufgeben musste. Nach Erwerb durch die Landesbank 1906 wurde das Anwesen zum Kurhaus Schloss Pieskow ausgebaut, der Gutsbetrieb verpachtet. 1920 kaufte der Hotelier Paul Wechsung das Kurhaus, verpachtete es aber nach einer kurzen Blütezeit 1934 an das SA-Hochschulamt, das hier eine Wehrsportschule betrieb. Verkauf 1939 an die Märkischen Elektrizitätswerke als Erholungsheim. Nach dem 2. Weltkrieg nutzten die Sowjets das Anwesen bis 1994. 1910/11 wurde vor dem Gutshaus Pieskow die erste Motorbootregatta auf dem Scharmützelsee ausgetragen, der viele weitere folgten, die letzte 1988. Der Bad Saarower Schuldirektor Dr. Zillmann war zeitweilig Präsident des Deutschen Kraftbootverbandes.

Klein Sanssouci in Pieskow entstand 1912/13 nach dem Vorbild des Potsdamer Schlosses, Architekt war Baumeister Felix Bergmann. Es gehörte später der Gräfin von Carmer-Gr.Osten, Ehefrau des Kammerherrn v. Carmer. 1921 erwarb der Bergwerksdirektor Robert Steuer, dessen Bruder die Ziegelei in Diensdorf betrieb, das Haus. Später befand es sich kurze Zeit im Besitz des Schauspielers und Theaterdirektors Maximilian Sladek. 1934 wurde Klein Sanssouci Wehrsportschule der SA, 1938 Erwerb durch die Reichspost und Nutzung als Erholungsheim mit zusätzlichem Bettenhaus. Zur DDR-Zeit diente das repräsentative Gebäude dem Präsidium des FDGB als Ferien- und Gästehaus, nach der Wende der Telekom als Akademie für ihre Führungskräfte. Heute ist Klein Sanssouci Privatbesitz und wurde aufwändig restauriert. 

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